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Start:   S-Bahnhof Lichtenberg
Ende:   S-Bahnhof Nöldnerplatz

Länge:  4 km
Zu Fuß: 1,5 h

Die Architekten des Neuen Bauens entwarfen Gebäude im Sinne von Sachlichkeit, Funktionalität, Zweckmäßigkeit und Bezahlbarkeit. Für Berlins städtischen Wohnungsbau ist Martin Wagner, der ab 1926 auch Stadtbaudirektor für Groß-Berlin wurde, von Bedeutung. Er promovierte bereits 1915 über „Das sanitäre Grün der Städte. Ein Beitrag zur Freiflächentheorie“. Bis heute sind seine Leitsätze richtungsweisend.

Die Bebauung der Gründerzeit war gekennzeichnet von einer maximalen Ausnutzung der Flächen durch die Aneinanderreihung von Hinterhöfen. Die Familien lebten auf engstem Raum in feuchten, dunklen und überbelegten Wohnungen. Oft wurden sogar Schlafplätze an Schlafburschen untervermietet. Die Folge dieser ärmsten Verhältnisse waren Krankheiten und Elend. Mit der Ausdehnung zu Groß-Berlin 1920, als neben Lichtenberg weitere sechs eigenständige Städte eingemeindet wurden, wuchs die Bevölkerung um weitere 1,9 Millionen Menschen. Angesichts drängender sozialer Probleme und des hohen Bedarfs an bezahlbarem Wohnraum hatte der Wohnungsbau Priorität. Den Lebensverhältnissen setzten die Architekten etwas radikal Neues entgegen: Wohnungen in grüner Umgebung mit Licht, Luft und Sonne.

Der Bau von großen Wohnanlagen wurde in der Weimarer Republik die Aufgabe städtischer Genossenschaften. Die Siedlungsgesellschaft Stadt und Land beauftragte Ende der 1920er Jahre den Architekten Jacobus Goettel mit dem Bau von drei Anlagen: Pappelhof, Ulmenhof und Erlenhof bestechen durch das durchdachte Spiel von Farben und Materialien: Dreieckige Vorsprünge gliedern die Treppenhäuser des Pappelhofes. Schmale, hohe Fensterreihen und die farbige Fassadengestaltung geben der Straßenfront den Rhythmus.

Der mit Ulmen begrünte Innenhof gab dem Ulmenhof seinen Namen. Gelb verputzte Balkone stehen wie wuchtige Doppelkreuze vor den Fassaden. Am Erlenhof heben sich die rechteckigen Treppenhäuser an der Straßenfront ab. Sie sind vom Erdgeschoss mit seinen verglasten Haustüren bis über die dritten Stockwerke durch schmale Glasflächen aufgelockert. Zwei rote Farbflächen sorgen für Abwechslung.

Der Architekt Erwin Anton Gutkind prägte 1919 den Begriff des Neuen Bauens mit seinem Fachbuch „Neues Bauen. Grundlagen zur praktischen Siedlungstätigkeit“. Typisch für das Neue Bauen waren die industrielle Bauweise und einfache, streng geometrische Formen. Auch das Flachdach ist ein Erkennungsmerkmal. Die von Gutkind entworfene markante Wohnanlage Sonnenhof ist ein Beispiel für monumental wirkende Blockbebauung in Stahlbetonbauweise. Die streng rot-weiß-grau gegliederte Fassade und die spektakuläre Ausbildung der Blockecken prägen das Erscheinungsbild der umgebenden Straßenzüge. Horizontale Klinkerbänder gliedern die Gebäude. Anders ist es im Innenhof, den eine mit Wiesen, Rabatten und Bänken gestaltete Atmosphäre prägt. Von Beginn an gehörte auch ein Kindergarten für die dort wohnenden Familien zur Anlage. Der Sonnenhof verhalf Gutkind zu internationaler Anerkennung. 1933 emigrierte er nach London.

Aula der Max-Taut-Schule

Sonnenhof

Ende des 19. Jahrhunderts setzten sich auch im Schulbau reformerische Ideen durch. In der Architektenszene suchte man nach Grundrissen und Formgebungen, die mit der Tradition palast- oder kasernenähnlicher Schulanstalten brachen.

Der Architekt Max Taut, Bruder von Bruno Taut, dem Erbauer der Hufeisensiedlung in Berlin-Britz, gewann 1927 mit seinem Entwurf der „Lichtenberger Schulen“ den Wettbewerb für ein Schulgebäude an der Ecke Schlichtallee und Fischerstraße. Im Stil der Neuen Sachlichkeit verwirklichte er eines der größten Schulbauprojekte der Weimarer Republik. Die Aula des Komplexes öffnet sich über die Freitreppe zum Nöldnerplatz. In der Nachkriegszeit verfiel der zerstörte Raum. Mit der Rekonstruktion ist der von Taut als Kulturort für die benachbarten Straßen geplante Saal als kultureller Anziehungspunkt in seiner ursprünglichen Funktion neu erstanden. Hier im Zentrum der Schulanlage wird bis heute Kultur auf Bühne und Kinoleinwand geboten. Die Max-Taut-Schule ist heute ein Oberstufenzentrum für Gebäude- und Umwelttechnik.

Der Architekt Bruno Ahrends, dessen Onkel der berühmte Kunstmäzen James Simon war, experimentierte bei den Rupprechtshöfen nahe der Max-Taut-Schule mit kubischen Formen. Die deutlich in Richtung Neue Sachlichkeit reduzierte Formensprache ist hier unverkennbar. In seinen ersten Jahren als Architekt baute Ahrends übrigens eine Villa im Landhausstil für sich und seine Familie, die heute noch den amtierenden Bundespräsidenten in Dahlem als Dienstvilla zur Verfügung steht.

Ganz in der Nähe

Die Splanemannsiedlung

Berlin war immer auch ein Experimentierfeld für den modernen Wohnungsbau. In Friedrichsfelde, ganz in der Nähe des Tierparks, befindet sich ­zwischen Splanemann- und Frieden­horster Straße die Splane­mannsiedlung. Erbaut wurden die Kriegsversehrten­wohnungen nach den Plänen des damaligen Stadtbaurats Martin Wagner bis 1930. Das Karree gilt als die erste Plattenbausiedlung Deutschlands.

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