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Freitag, 30. Juli 2010
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Hans Bellmer

„Die Herkunft meiner Bilder ist skandalös, weil für mich die Welt ein Skandal ist.“ Hans Bellmer konstruierte 1933 in Berlin-Karlshorst seine Gliederpuppe. Die Fotos von dieser Gliederpuppe begründeten seinen Ruhm als Vertreter des phantastischen Realismus und machten ihn weltberühmt.

Hans Bellmer wurde 1902 in Kattowitz geboren. Er litt sehr unter seinem tyrannischen Vater, der ihn 1922 nach Berlin an die technische Hochschule schickte. 1923 fing er als Grafiker beim Malik – Verlag an, diese Stelle hatte ihm George Grosz vermittelt. Das Ingenieurstudium brach Bellmer 1925 ab und nahm eine Typografenlehre auf. In Paris hatte er Kontakt zu Dadaisten und Surrealisten. In Berlin war er mit George Grosz, Otto Dix und anderen Künstlern befreundet.

Zwischen 1930 und 1938 lebte er in seiner Karlshorster Parterrewohnung und eröffnete ein Atelier für Werbezeichnungen, dessen Betrieb er 1933 einstellte. Er verweigert sich dem deutschen Faschismus und „stellt ganz bewusst jegliche gesellschaftlich nützliche Tätigkeit ein“. Stattdessen befreit er sich künstlerisch. In Zeichnungen, graphischen Arbeiten, Skulpturen und Fotografien nimmt er ab den 1930er Jahren das Thema der erotischen Darstellung der weiblichen Anatomie neu auf, im Mittelpunkt steht fast immer der geschundene weibliche Körper. Aus Teilen von Schaufensterpuppen konstruierte er mit Holz, Metall und Gips eine Puppe und Puppenfragmente, die in jegliche Richtung gedreht werden konnten und deren Brüste beliebig plazierbar waren. Von ihnen machte er verschiedene Fotografien in seiner Karlshorster Wohnung – in der Küche, im Kartoffelkeller. Die Fotos schickte er nach Paris an André Breton und Paul Eluard und 1934 wurde seine Fotoserie in der Zeitschrift „Minotaure“ veröffentlicht. Die Fotoserie „la poupée“ wurde 1935-36 auch im Museum of Modern Art in New York ausgestellt.

1938 zog er nach Paris, fortan zeichnete er und hinterließ bei seinem Tod ein riesiges zeichnerisches Erbe – doch ein finanzieller Erfolg blieb ihm zu Lebzeiten verwehrt, auch verkaufte Bellmer keine seiner Fotografien aus der Serie „la poupée“, er verstarb vereinsamt und erfolglos 1975 in Paris. Fotos und Zeichnungen von ihm können heute auf Kunstauktionen für 6stellige Euro-Beträge erworben werden.

Am 15. April 2008 wurde eine Gedenktafel für Hans Bellmer an seinem ehemaligen Wohnhaus in der Ehrenfelsstraße 8 A in Karlshorst enthüllt. Mit der Gedenktafel wird ein bedeutender deutscher Künstler gewürdigt, dessen Werk von den Nazis als „entartete Kunst“ verfemt wurde.