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Donnerstag, 9. September 2010
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Die Kolonnade

Bandelwerk

Hugo Hartung

Ein ungewöhnliches Industriedenkmal

Als Folge der industriellen Revolution entwickelte sich Berlin in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einer Achse im Eisenbahnverkehr. In wenigen Jahrzehnten entstanden Fern- und Stadtbahn. Zudem verbesserten viele Vorortbahnen die Infrastruktur des weitläufigen Stadtgebietes.
Auch der Straßenverkehr nahm rasant zu und um niveaugleiche Kreuzungen zwischen Eisenbahn- und Straßenverkehr zu vermeiden, wurden vermehrt Brücken gebaut. Die ersten Brücken und ihre Stützsäulen waren zweckmäßig, d. h. schlicht gestaltet.

Als Trassen der Eisenbahn durch gehobene gutbürgerliche Wohnquartiere geführt wurden, entstand der Anspruch, die Eisenbahnkonstruktionen ästhetisch aufzuwerten. Als Ergebnis eines vom Berliner Architektenverein ausgelobten Wettbewerbs im Jahre 1880 wurde der Entwurf von Hugo Hartung ausgezeichnet. Zwischen 1880 und 1914 wurden beim Bau Berliner Eisenbahnbrücken die Hartungschen Pendelsäulen verwendet, um Eisenbahnbrücken bei Querung einer Straße „stilvoll“ abzustützen. Hartungs Entwurf basierte auf gestalterischen Elementen der Antike, wie kannelierten Säulen, Kapitellen mit Voluten, korinthischen Säulenköpfen und mittigem Bandelwerk.

1903 fanden diese Säulen auch Verwendung bei der Querung der Stadthausstraße in der Victoriastadt. Im Rahmen der Modernisierung der Berliner Bahnstrecken wurde die Brücke über der Stadthausstraße abgerissen und durch eine moderne Betonbrücke ersetzt.

Im Jahr 2006 wurden zwölf der alten Säulen unweit ihres angestammten Platzes als Kolonnade wieder aufgestellt. Dieses ungewöhnliche Industriedenkmal ist einen Besuch wert – und wer mehr über die Industriegeschichte erfahren möchte, die in Lichtenberg geschrieben wurde, findet gleich nebenan das Museum Lichtenberg im Stadthaus. Informieren Sie sich über Trockenbatterie, Taschenlampe, Perlon, Druckluftbremse und  Haushaltsgeräte, die jeder kennt, und die von Lichtenberg aus ihren Siegeszug um die Welt angetreten haben.






Wir danken dem Universitätsarchiv der TU Dresden für
die Bereitstellung des historischen Fotos von Hugo Hartung.